25 Jahre Berliner Lektionen

30.09.2011 | Berlin
Am 23. Oktober beginnt die letzte Saison der Berliner Lektionen mit sechs herausragenden Veranstaltungen.

Zum 25. Jubiläum reflektiert die Begegnungsreihe Berliner Lektionen die Kommunikationsrituale des öffentlichen Lebens. Können Fragen unsere Sichtweise verändern oder bestätigen die zahlreichen Talkshows nur den Status Quo? Unter dem Titel "Die Kunst des Fragestellens" sprechen am 23. Oktober ARD-Talkmeisterin Anne Will, der Philosoph, Schriftsteller und Co-Moderator des "Philosophischen Quartetts" Prof. Rüdiger Safranski und der Kreativitätsforscher und Philosoph, Prof. Karl-Heinz Brodbeck. Die erste Berliner Lektion dieser Saison wird von Jakob Augstein (Herausgeber des Freitag) moderiert.

Ein besonders aktuelles und brisantes Thema erwartet uns am 13. November mit der Rede von Hans Joachim Schellnhuber. Der Potsdamer Klimaforscher und Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, der sich vor allem für Nachhaltigkeit und für einen reellen Naturfortschritt einsetzt, berät Politiker über die Möglichkeit der ökologischeren Ressourcennutzung. Prof. Schellnhuber ist u.a. Autor des Bestsellers Der Klimawandel (2006).

Die Berliner Lektionen waren oft ein Podium für Politik und Politiker, seltener eines für die Vertreter der Wirtschaft. Am 27. 11. treffen beide Themen aufeinander. Unter dem Titel "Primat der Politik über die Wirtschaft" diskutieren Gabor Steingart und Manfred Lahnstein. Gabor Steingart, bis 2010 Mitarbeiter des Spiegel (u.a. Leiter des Berliner Büros), ist seit April letzten Jahres Chefredakteur der maßgeblichen Wirtschafts- und Politikzeitung Handelsblatt. In seinen Büchern befasst er sich ausführlich mit dem Verteilungssystem, mit den finanzgesteuerten Wohlstands- bzw. Armutsklassen.

In seinem jüngsten Buch beschreibt Gabor Steingart das derzeitige Weltfinanzbeben. Das Ende der Normalität. Nachruf auf unser Leben, wie es bisher war. (Piper Verlag, 2011).

Keiner scheint für ein solches Gespräch so prädestiniert zu sein wie Manfred Lahnstein. Er war unter Helmut Schmidt Chef des Bundeskanzleramts und Bundesfinanzminister, seit 1983 Vorstandsmitglied der Bertelsmann AG, später ihr Aufsichtsratsmitglied. In dieser Zeit (1987) konzipierte er zusammen mit den Berliner Festspielen (Prof. Dr. Ulrich Eckhardt) die Reihe der Berliner Lektionen, die damals nur für ein Jahr geplant war. Seit 2004 wird die Reihe in Kooperation mit der ZEIT-Stiftung veranstaltet, deren Kuratoriumsvorsitzender Prof. Manfred Lahnstein ist.

Ein dänischer Familientherapeut, Pädagoge und Autor, Jesper Juul wird am 29. Januar zum Thema "Was ist das Sein der Kinder in der Welt?" sprechen. Juul ist Gründer des Kempler Instituttet für Probleme in der Familie und Autor zahlreicher Bücher über Familienbeziehungen und Erziehung. Seine Bücher, u.a. Das kompetente Kind oder Elterncoaching lösten einen Paradigmenwechsel in der Betrachtung des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern, Heute sind sie Standardlektüre für ein zeitgenössisches Erziehungsdenken, und das nicht nur in Skandinavien und Deutschland: Seit 2004 berät sein Elternberatungsprojekt Family-Lab International Eltern auf der ganzen Welt.

David Gelernter, Zukunftsforscher und studierter Informatiker (Yale University), gilt als der Vordenker des Internet. Als dem Entwicklungsstrategen der Computertechnologie galt ihm 1993 ein Briefbombenattentat des Technologiefeindes Ted Kaczynski ("Unabomber"). Das Geschehen verarbeitete er in seinem Buch Drawing Life - Surviving the Unabomber (1997). Der zum Kreis der "Third Culture" gehörende Netzspezialist beschäftigt sich stetig mit dem Verhältnis von Kunst und künstlicher Intelligenz. "Parallel computing" oder "Cybersphäre" (Clouds) waren u.a. Visionen des Technologie-Vordenkers. Als Apple den iPod-Touch mit virtueller Screen der Welt präsentierte, stellte sich heraus, dass David Gelernter diese Idee bereits 1992 patentieren ließ. David Gelernter hält seine Berliner Lektion am 26. Februar 2012.

Die letzte Lektion hält der belgische Dirigent und Pianist Jos van Immerseel als Konzertrede. Van Immerseels besondere Leidenschaft gilt der alten Musik und den historischen Instrumenten. Gemeinsam mit dem von ihm 1987 gegründeten internationalen Orchester Anima Eterna führt der Musiker Werke in ursprünglicher Fassung auf, d.h. so wie die Komponisten sie während des Kompositionsprozesses im Ohr hatten. So "authentisch rekonstruierte" Kompositionen erhalten ihre ganze Individualität wieder. Die Berliner Lektion mit Joos van Immerseel trägt den Titel "Wer sind wir, wenn wir hören? Nachdenken über Klang, Musik, Interpretation" und wird - anders als alle bisherigen Lektionen - im Haus der Berliner Festspiele und mit drei seiner wertvollen historischen Flügel stattfinden. Sie beendet auch den gesamten Veranstaltungszyklus. Zum Abschied und als Einführung dieser Veranstaltung spricht Manfred Lahnstein.

Die Reihe Berliner Lektionen wurde 1987 anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins von den Berliner Festspielen und der Bertelsmann AG initiiert. Die große Publikumsresonanz ließ den Veranstaltungszyklus Jahr für Jahr verlängern. Nach dem Wechsel der Berliner Festspiele (als ein Teil der KBB) in die Obhut des Bundes übernahm die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius 2004 die Kooperation. Während der gesamten 25 Jahre traten bei den Sonntagsmatinees insgesamt 190 Gäste auf, u.a Willy Brandt, Catherine Deneuve, Toni Morrison, Michail Gorbatschow, Günter Grass, Kurt Masur, Vivienne Westwood, Bianca Jagger, Herbert Grönemeyer.

Die Berliner Lektionen haben 25 Jahre das geistige Leben der Stadt geprägt. Mit dieser Abschluss-Saison bedanken sich die Veranstalter beim Publikum für seine Treue und die meist überwältigende Resonanz.

Der Kartenvorverkauf für die letzte Saison der Berliner Lektionen beginnt am 4. Oktober.

€ 10,- | erm. € 7,50 an der Tageskasse

Abonnement sämtlicher Lektionen € 48,- | erm. € 36,-

Quelle: Pressemeldung Berliner Festspiele

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