Digitalradio in NRW: Große Resonanz auf LfM-Konsultationsprozess
Klassischer analoger UKW-Hörfunk steht im zunehmenden Wettbewerb zu den digitalen Konkurrenzangeboten im Internet und über Mobilfunk. Zugleich wurden erhebliche Kapazitäten für digitalen Rundfunk europaweit koordiniert, die nun in NRW zur Verfügung stehen. Um die möglichen Vorgehensweisen bei der Einführung von Digitalradio in NRW auszuloten, startete die LfM Ende Februar 2008 ein öffentliches Konsultationsverfahren. Ziel ist es, unter Berücksichtigung der spezifischen Lokalradio-Strukturen in Nordrhein-Westfalen konkrete Ansätze zur Einführung von digitalem Hörfunk in NRW mit allen Beteiligten und Interessierten gemeinsam zu entwickeln.
Um die Meinungen, Bedürfnisse und Ziele möglichst vieler der bestehenden und potenziellen Marktteilnehmer sowie Interessenverbände zu erfassen, wurde im Rahmen des Konsultationsprozesses als erster Schritt eine standardisierte schriftliche Befragung durchgeführt. Beauftragt wurde damit das Berliner Beratungsunternehmen Goldmedia.
Die Ergebnisse wurden am 8. Mai 2008 auf einer öffentlichen Anhörung in Köln vorgestellt. Fast 90 ausgefüllte Fragebögen sowie zusätzlich eine Reihe schriftlicher Stellungnahmen zeigen die positive Resonanz auf den Konsultationsprozess. Zu Wort gemeldet haben sich Betriebsgesellschaften und Veranstaltergemeinschaften, der Bürgerfunk, Vermarkter, Verbände und Hörfunkveranstalter, Radiohörer, Produzenten, Verleger und technische Dienstleister.
Die Untersuchung ergab, dass aktive und potenzielle Marktteilnehmer gleichermaßen der Digitalisierung sehr offen gegenüber stehen und darin Chancen für eine größere Radiovielfalt in NRW sehen. Obwohl die Mehrzahl der Befragten – immerhin 56 Prozent – das Hörfunkangebot in NRW als positiv einschätzt und sogar mehr als 70 Prozent besonders das Informationsangebot der Radiosender hervorheben, wird auch Optimierungspotenzial gesehen: Nur 23 Prozent sind mit dem Musikangebot der Sender zufrieden. Die Mehrheit ist der Ansicht, dass in NRW die Musikbedürfnisse der Hörer nicht genügend bedient werden. Kritisiert wurde zudem die Empfangsqualität der lokalen Programme. Über die Hälfte aller derjenigen, die sich an der Fragebogen-aktion beteiligt haben, sieht in NRW Potenzial für weitere Hörfunkangebote.
UKW hat nach Meinung der Befragungsteilnehmer noch lange nicht ausgedient. Immerhin 83 Prozent betrachten UKW nach wie vor als erfolgreichen Übertragungsstandard. Gleichzeitig sehen 81 Prozent der Befragten Internetradio als zukunftsträchtig. Mit 48 Prozent ist immerhin knapp die Hälfte der Meinung, auch DAB+ sowie HD Radio seien erfolgversprechende Standards.
Nach bisherigem technischen Stand werden digitale Kapazitäten voraussichtlich ab 2009/2010 zur Verfügung stehen. Fast 50 Prozent der befragten Marktteilnehmer wollen sich dann an einer möglichen Ausschreibung für Digitalradio beteiligen. 60 Prozent der potenziellen Bewerber würden dabei dasselbe Verbreitungsgebiet anstreben wie bei UKW, immerhin mit 48 Prozent knapp die Hälfte würde die Chancen auf Ausweitung des Sendeareals nutzen. Hinsichtlich der Bewerbungskonstellation ist das Bild vielfältig: 64 Prozent streben bei der Bewerbung um Digitalradiokapazitäten eine Kooperation mit anderen Radiosendern an, 62 Prozent würden sich allein und ohne Partner bewerben, 60 Prozent mit anderen Medienpartnern. Für 43 Prozent kämen als Partner auch Unternehmen aus anderen Branchen in Betracht.
Die übergroße Mehrheit – immerhin 82 Prozent – plädiert für eine (finanzielle) Förderung der Übergangsphase ins digitale Radiozeitalter und hält eine Reihe von regulativen Maßnahmen für notwendig. 82 Prozent sind der Meinung, lokalen Anbietern sollten Mindest-Digital-radio-Kapazitäten reserviert werden. 72 Prozent betonen eine technologieneutrale Lizenzierung, 61 Prozent sprechen sich für eine Vereinfachung der Regulierungspraxis in Bezug auf die Eigentümerstrukturen aus, um den Hörfunkmarkt stärker für neue Investoren zu öffnen. 52 Prozent gaben an, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk keine über das originäre Sendegebiet hinausgehende Programmverbreitung zu gestatten.
Dr. Jürgen Brautmeier, Stellvertreter des LfM-Direktors, sagte, durch die Anhörung sei das große Interesse sichtbar geworden, die „Ressource Digitales Radio“ zu sichern. „Was jetzt nötig ist, ist eine zügige Weiterbehandlung mit allen Beteiligten, zumal auch auf der bundesweiten Ebene intensiv am Thema gearbeitet wird. Hier kann und muss NRW eine wichtige Rolle spielen. Der Erfolg wird davon abhängen, wie schnell die Rahmenbedingungen geklärt sind, innerhalb derer sich geeignete Geschäftsmodelle finden lassen. Im Kern geht es darum, das Radio als eigenständige Gattung zu erhalten und zukunftstauglich zu machen.“
Quelle: Pressemeldung Landesanstalt für Medien NRW
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