Qualitätsmedien müssen im digitalen Zeitalter zusammen stehen
"Wenn man den falschen Feind beäugt oder die falsche Tür bewacht, wird eine falsche Politik genau jenen Qualitätsjournalismus verdrängen, der konstitutiv für unsere moderne Mediendemokratie ist."
Mehrere hundert Fernsehkritiker und Medienschaffende diskutieren bei den Mainzer Tagen im Sendezentrum des ZDF über das Thema "Neue Wahrheiten - Wer traut wem in der vernetzten Welt?". Die neuen sozialen Netzwerke, wie etwa Facebook, mit ihren nutzergenerierten Inhalten, könnten professionellen Journalismus nicht ersetzen, sagte Schächter. Im Gegenteil erfordere der dort oft laienhaft betriebene Umgang mit Information und die gezielte PR in den Social Media den klassischen Journalismus. "Wer nicht allein auf andere im Netz angewiesen sein will, wer gerade als öffentlich-rechtlicher Anbieter weitgehend das Sagen behalten will, muss im Netz selbst auf möglichst vielen Plattformen präsent sein", folgerte der Intendant. Gefordert sei, gerade durch den gesellschaftlichen Rückzug ins Private, mehr Öffentlichkeit denn je. Und darum dürften gerade die öffentlich-rechtlichen Medien im Zeitalter der globalen Vernetzung nicht durch das Netz fallen. "Wir können, sollen und müssen vielem im Netz misstrauen, aber wir müssen uns selbst ins Netz trauen - und uns dort auch etwas zutrauen -, damit uns am Ende vor allem die Menschen vertrauen", sagte Schächter. Der klassische Journalismus stehe in der digitalen Welt vor einer Reihe von Herausforderungen, führte der Intendant aus. Große Teile des kommerziellen Fernsehens gäben ihren ohnehin reduzierten publizistischen Anspruch fast gänzlich auf und orientierten sich vorrangig an der Gewinnmaximierung. Viele Verlage suchten nach neuen Geschäftsmodellen, säßen jedoch in der Sackgasse, weil sie sehr spät und ohne strategisches Konzept in das Netz investierten. Gleichzeitig werde von den öffentlich rechtlichen Sendern - die laut ihrem Auftrag zu qualitativ zuverlässigem Journalismus verpflichtet sind - gefordert, sich im Internet zu beschränken und ihre Inhalte dort abzubauen. Die marktlichen Auswirkungen der Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender stellten "nachweislich eine sehr überschaubare Größe dar", sagte Schächter in seiner Rede weiter. Deshalb seien die hohen Barrieren, die im Netz gegen sie errichtet würden, kontraproduktiv. Das ZDF sei wie die ARD zu einer Selbstbeschränkung bereit. Das ZDF werde an keiner Stelle im Netz in einen ökonomischen Wettbewerb mit anderen treten. "ARD und ZDF wollen und werden weder die kommerzielle elektronische noch die Print-Konkurrenz verdrängen, wie auch noch nie ein neues Medium ein altes verdängt hat", betonte der Intendant.
Quelle: Pressemeldung ZDF Pressestelle
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