Weitere Anstrengungen für mehr Bildungsgerechtigkeit notwendig
Bei Untersuchungen zum deutschen Bildungssystem taucht immer wieder der gleiche Befund auf: "sozial ungerecht". Auch der heute veröffentlichte Ländervergleich zeigt, dass Kinder nicht ihren Potenzialen gemäß gefördert werden. Die Debatte, ob Süd oder Nord bessere Ergebnisse zeigen, sind Scheingefechte. Zehn Jahre nach PISA zeigen die Zahlen, dass der Bildungserfolg eines Kindes trotz aller Aktivitäten immer noch genauso von seiner sozialen Herkunft abhängt wie im Jahr 2000. Das ist das Gegenteil einer "Bildungsrepublik", die jedem Kind durch frühe und individuelle Förderung die gleiche Chance gibt. Hier sind Kanzlerin und Bundesbildungsministerin gefordert.
Wir fordern, dass die Länder ihre finanziellen Zusagen zur Verbesserung des Bildungssystems einhalten. Wenn Länder wie Hessen und Schleswig-Holstein nun anfangen, statt zusätzlicher Mittel Einsparungen anzukündigen, dann ist das kurzsichtig und verantwortungslos.
Nach drei gescheiterte Bildungsgipfel müssen die Länder beweisen, dass es ihnen ernst ist mit der Zusage, bis 2015 sieben Prozent des BIP in Bildung zu investieren. Gemeinsame Programme zwischen Bund und Ländern sind notwendig, um die Verbesserungen im Bildungsbereich zu ermöglichen. Das unselige Kooperationsverbot muss aufgehoben werden.
Besonders für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ist es ungleich schwerer, im deutschen Bildungssystem erfolgreich zu sein. Auch wenn sie objektiv gleiche Leistungen zeigen, wird ihnen zu oft zu wenig zugetraut. Bei der Sprachförderung müssen jenseits von kurzfristigen Maßnahmen Angebote über den gesamten Schulverlauf gewährleistet werden und die Kinder individueller gefördert werden.
Wir brauchen außerdem: eine Reform der Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte, mehr gebundene Ganztagsschulen, individuelle Förderung, längeres gemeinsames Lernen und die Inklusion von Schülerinnen und Schülern aus Förderschulen in die allgemeinbildenden Schulen.
Hamburg hat unter der grünen Schulsenatorin Goetsch wichtige Schritte zur Reform seiner Bildungslandschaft unternommen. In Nordrhein-Westfalen werden die individuelle Förderung und das längere gemeinsame Lernen hoffentlich bald Einzug halten.
Quelle: Pressemeldung Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
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