Beim Landesdialektpreis Baden-Württemberg wurden in Oberkirch künstlerische Leistungen gewürdigt, die den Gebrauch regionaler Sprache erneuern. Über 20 Preisträger erhielten in sechs Sparten zusammen 60.000 Euro. Das Programm verband schriftstellerische Arbeiten und Filmproduktionen mit Hip-Hop, Kabarett sowie Beiträgen für soziale Medien. Die Auszeichnung unterstreicht, dass Alemannisch, Fränkisch und Schwäbisch nicht nur historisches Sprachgut darstellen, sondern als lebendige Kunstsprachen aktuelle Themen, Formate und Zielgruppen im Land generationenübergreifend und dauerhaft wirksam erreichen bleiben.
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Dialektpreis verbindet junge Talente, Bühnenkunst, Film und digitale Formate
Der Landesdialektpreis führte in seiner zweiten Ausgabe unterschiedliche Sparten zusammen und zeichnete deren Beiträge aus. Neben der Jungen Generation waren Literatur, Film, Kabarett, Comedy, Live-Performance, Bühnenkunst, Lied, Musik und Neue Medien vertreten. Die von Stefan Unser moderierte Vorstellung verband sprachliche Erläuterungen mit Bildern, Filmbeispielen und Darbietungen auf der Bühne. Auf diese Weise wurde die Bandbreite der Dialekte nachvollziehbar. Sie erscheinen nicht als Überlieferung, sondern als leistungsfähige Ausdrucksform für zeitgemäße Kultur.
Mundart erreicht durch junge Projekte zeitgemäße Erzählformen verschiedener Medien
Der Wettbewerb honorierte in der Nachwuchssparte Projekte aus Literatur, Film und Sprachvermittlung. „Guat gmonnte Utopien“ von Lena Eith, Anna Flaith und Vivienne Frey wurde gemeinsam mit „HEATED (AT)“ von Emma Bading, Lasse Lehmann und Finn-Oliver Walter auf den ersten Platz gesetzt. Rang zwei ging an Elias Mohrs „Sprachlandschaften“ sowie an Piel Schmitts Kurzfilm „Wieder mehr viel Arbeit“. Die Arbeiten zeigen, dass Dialekt jungen Kreativen eine eigenständige künstlerische Sprache bietet und Orientierung.
Auszeichnungen stärken Dialektliteratur und bewahren regionale Erzähltraditionen nachhaltig
Der erste Preis in der Kategorie Literatur würdigt Klaus-Dieter Reicherts Prosa „Vum Sepp un de Marie“. Der 81-jährige Schriftsteller aus Steinenbronn ist Seealemanne und verfügt durch seine Tätigkeit als Co-Leiter der Schreibwerkstatt von schwäbische mund.art e.V. über umfassende Erfahrung in der Dialektarbeit. Mit weiteren Preisen wurden Jane Wels für „Slang-Poetry“, Claudia Scherer für „hoimweh“ sowie Markus Manfred Jung für seinen dialektbezogenen Essay bedacht. Das Ergebnis unterstreicht die Rolle literarischer Werke bei der Bewahrung regionaler Begriffe, Sichtweisen und Geschichten.
Dialektfilme verbinden Sprache, Gestik und Alltag für größere Reichweite
Der Preis für den besten Langfilm würdigte „Tschappel“. Die beteiligten Filmschaffenden Marius Beck, Paul Beck, Carly Coco, Marc Philip Ginolas, Maximilian Greil und Charlotte Groth realisierten die ZDFneo-Serie gemeinsam mit den Produktionsfirmen Apollonia Film und LAX Entertainment. Der Einsatz oberschwäbischer Mundart trägt die regionale Sprechweise in überregionale Verbreitungswege. „Märtyrer der Strebsamkeit“ wurde als bester Kurzfilm ausgezeichnet, „Am Beckenrand“ als beste Dokumentation. Film macht sprachliche Eigenheiten durch Ton, Bewegung und Handlung.
Die Traufgängerinnen werden für Julius als bestes Opus prämiert
Die Auszeichnungen der Sparte Lied und Musik erfassen Gruppenleistungen, Solobeiträge und Werke. Den Gruppenpreis erhielt das Gässlesrap Kollektiv für „Viertelestaxi“. Yannick Marszalek, Felix Neth, Frederik Maximilian Salden und Hannes Schmid verwenden schwäbische Mundart innerhalb eines Rapformats und verbinden sie mit einer energiegeladenen Darbietung. Matthias Flad gewann die Solokategorie mit „Sondermülldeponie“. Für „Julius“ wurden Mona Maria Weiblen und Die Traufgängerinnen mit dem Preis für das beste Opus ausgezeichnet. So wächst Reichweite.
Wanderbühne verbindet Dialektkabarett mit hoher sprachlicher und musikalischer Qualität
Der Beitrag „Fidelius on Tour – Land in Sicht“ brachte Martin Wangler den Sieg in der Sparte Kabarett, Comedy, Live-Performance und Bühnenkunst. Wangler nutzt eine Wanderbühne, um Kleinkunst, Dialekt, musikalische Gestaltung und Kontakt zum Publikum zu verbinden. Ernst Mantel und Heiner Reiff wurden mit „Ernst und Heinrich: NEX VERKOMMA LASSA“ Zweite. Friedel Kehrer erhielt für „Sacha ond Sächla“ den dritten Preis. Die Platzierungen unterstreichen, dass Dialekt Perspektiven direkt und klar vermittelt.
Neue Medien würdigen Dialektshows, Kochkanäle und schwäbische Videospiele gleichermaßen
Der Wettbewerb prämierte Patrik Lehmanns die_patrik_lehmann_show als bestes Angebot der Sparte Neue Medien. Stefanie Biedermann erreichte mit einfach_lecker_by_steffi den zweiten Platz. Den dritten Preis gewann SOS – Streets of Stuttgart, ein Beitrag von Pius Jauch für schwäbische mund.art e.V. Die Produktionen SOS I aus dem Jahr 2023 sowie SOS II von 2026 führen in schwäbisch geprägte Videospielszenarien ein. Sie machen Dialekt innerhalb interaktiver digitaler Anwendungen unmittelbar zugänglich und dauerhaft erlebbar dort.
Mundart wird in Oberkirch öffentlich gesprochen gesungen und weitergegeben
„Beschd of Daheim“ verbindet am 17. Oktober in Oberkirch die Preiswürdigung mit einer Werkschau. Um 10 Uhr stellen Berthold Kracke, Claudia Scherer, Klaus-Dieter Reichert, Markus Manfred Jung, Matthias Flad und Mona Maria Waiblen ihre Beiträge im Forum am Hans-Furler-Gymnasium vor. Das Angebot umfasst literarische Vorträge, Musikstücke und Darbietungen auf der Bühne. Es vermittelt Besuchern Einblick in Aussprache, Melodie und Ausdrucksmöglichkeiten von Mundarten und unterstützt deren Weitergabe durch Begegnung.
Als landesweite Auszeichnung macht der Landesdialektpreis die Leistungsfähigkeit von Alemannisch, Fränkisch und Schwäbisch sichtbar. Er bewertet Dialekt nicht allein als überliefertes Kulturgut, sondern als Werkzeug für gegenwärtige künstlerische Arbeit. Die geehrten Projekte reichen von Texten über audiovisuelle Erzählungen bis zu musikalischen und digitalen Angeboten. Damit verknüpft das Programm regionale Identität mit neuen Verbreitungswegen. Es schafft Aufmerksamkeit für Vielfalt, unterstützt Kulturschaffende und erleichtert einem Publikum den Zugang zu Dialektklängen und Erzählweisen.

